A Beer Formerly Known as Remmer Alt

Bier ist das womöglich anerkannteste, verbreiteste Rauschmittel unserer Gesellschaft. Faszinierend dabei, dass dennoch so lange kaum gefragt wurde, wer eigentlich die Produktionsmittel für diesen sozialen Bereich hat. Illegalität fördert den häuslichen Eigenanbau von Drogen. Bier dagegen awird von wenigen Großkonzernen erzeugt und vertrieben. Und so schmeckt es meist auch - deutsches Einheitsgebot. Doch es ist eine Gegenbewegung entstanden, die sich nicht nur auf die Geschichte zahlloser lokaler Bierhersteller bezieht, sondern die ganze Brauerei gleich in die heimische Küche holt. Eigenbier, nicht anders als hausgemachte Marmelade, eingekochte Kirschen oder Sirup aus selbst gepflückten Holunderblüten. Fabian Georgi und Caspar Sessler sind unter die Brauer gegangen und sie übertragen den Prozess in die Ausstellung. Dabei zeigen sie neben der Dokumentation dieses Teils der Do-it-yourself-Bewegung, wie ästhetisch eine Brauapparatur sein kann, eine glänzende abstrakte Skulptur voller praktischem Nutzen. Vom Flaschentrockner wusste man das mit Duchamp schon lange, aber es gilt auch für Töpfe. Und das Künstlerduo schafft eine wahrnehmbare (sichtbare, riechbare, hörbare, dann auch fühl- und schmeckbare) Analogie zwischen dem (kreativen) Prozess aus dem Kunst vergoren wird, und der Bierbrauerei. Während der Ausstellung werden sie mehrmals auf diese Weise Bier ansetzen.

Ingmar Lähnemann im Katalog »Im Rausch – Vergärungsprozesse in Kunst und Bier«